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Dienstag, 11. März 2014

Asperger und die verlorene Zeit

Zeit, was ist die Zeit? Niemand kann das sagen. Wir messen sie. Wir lassen sie uns anzeigen. Wir sprechen von ihr. Doch, was sie ist, dass wissen wir nicht. Gibt es sie überhaupt?, oder ist sie nur ein Erfindung? Ich weiss es nicht. Aber ich weiss, das viele einfach in den Tag in die Jahre hineinleben, ohne sich zu fragen, was sie da genau tun. Sie verbrauchen ihre Zeit einfach, ohne einen Nutzen davon zu haben.
Ich erlebe das auch immer wieder. Ich sitze zu hause, schaue TV oder lese. Einfach, damit die Zeit vorbei geht. Wieso tue ich das? Keine Ahnung. Vielleicht warte ich darauf, dass ich endlich wieder meine Frau sehe, oder das was bestimmtes im TV kommt. Oder ich warte einfach, das ich warten kann. Die wenigsten werden immer nur tun und tun. Sie wollen auch mal nichts tun. Ist aber nichts tun das Selbe wie die Zeit verlieren? Wie einfach nur zu sein? Ich denke nicht. Ich denke, das nichts tun, auch was tun ist. Nichts, aber auch das ist was. Das liest sich paradox, ist es auch.
Asperger sind gut darin, wenn es darum geht, die Zeit zu verlieren. Sie können nichts tun, einfach warten. Können stundenlang sich mit etwas beschäftigen, das überhaupt keinen Sinn ergibt. Aber für sie vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Für mich gibt es eine Zeit vor und eine nach der Diagnose. Ich würde die Zeit vor der Diagnose nicht als verlorene Zeit betrachten. Doch wäre mein Leben sicher anders verlaufen, wenn ich das alles früher gewusst hätte. Ich denke, ich hätte mir so einiges ersparen können. Auf der anderen Seite ist aber doch so, dass das alles dazu beigetragen hat, das ich heute so bin, wie ich bin. Nun, ich stelle mir nie vor, wie es anders hätte sein können. Wozu auch? Aber ich sehe viele Menschen die schon in frühen Jahren eine Diagnose bekommen haben. Ihr Leben verläuft ganz anders als meines. Für sie wird geschaut. Für sie wird alles gemacht. Sie kämpfen nicht mehr für sich. Sie lassen sich einfach von der Zeit treiben. Wohin sie das führen wird, weiss ich nicht. Aber sich einfach vom Strom der Zeit treiben lassen, kann es nicht sein. So sehe ich das jedenfalls. Wieso sollte man seine eigene Zeit verlieren indem man sie anderen gibt? Wieso sollen andere immer über einem bestimmen? Ich kann gut für mich selber sprechen. Für mich selber schauen. Ich bestimme selber, was ich will und was was nicht.
Ich schaue das es für alle anderen passt. Nicht für mich. Ich mache immer und immer wieder den selben Fehler. Trotz all den Jahren und all der Erfahrung die ich habe, passiert mir das immer wieder. Ich weiss auch nicht wieso. Vielleicht bin ich einfach so. Ich verliere meine Zeit für andere. Gebe meine Zeit den anderen. Doch was kriege ich zurück? Das was sie geben können. Nichts. Sie geben schöne Worte. Sonst nichts. Was will ich mit Worten? Eben.
Wenn ich sage, was ich brauche, dann ist das egal. Wenn sie sagen, dass sie was wollen, muss es sofort geschehen. Sie wollen und wollen. Geben, nein, das ist nicht ihr Ding. Wichtig ist, dass sie bekommen, was sie wollen. Die Menschen können nicht geben. Sie können nur nehmen. So erlebe ich das jedenfalls. Ich denke, das wir Asperger von den Muggel immer und immer wieder ausgenutzt werden. Das wir einfach nicht begreifen, wie wir uns dagegen wehren können. So verlieren wir Zeit, welche uns gehört. Wir meinen, das wir was Gutes tun. Dabei ist es einfach so, dass sich die Muggel eine angenehme Zeit auf unsere Kosten machen. Sie nutzen uns aus. Doch wie sich dagegen wehren, weiss ich auch nicht. Ich kann das nicht. Ich sehe es immer erst, wenn es zu spät ist. Wenn ich erkenne, dass ich ausgenutzt wurde, ist alles schon vorbei. Die die mich ausgenutzt haben, sind aus meinem Leben verschwunden. SO läuft das schon seit Jahren.
Doch eine Hoffnung habe ich. Meine Frau. Sie ist die Einzige, welcher ich vertraue. Sie ist die Einzige, bei welcher ich nicht das denke, das sie mich ausnutzt. Nun, das mag naiv klingen, ist es auch. Doch ich denke, dass ich denn Glauben daran nicht verlieren sollte. So ist meine Frau die einzige Hoffnung welche ich noch habe, dass ich endlich mal nicht ausgenutzt werde. Nicht meine Zeit vergeude für das Interesse von anderen. Nein, die Zeit die ich mit meiner Frau verbringe, ist die Zeit, welche mir am wichtigsten ist. Welche mir zeigt, dass ich doch geliebt und gebraucht werde. Nicht aus Eigennutz sondern einfach aus Liebe. Somit verliere ich Zeit, aber auf der anderen Seite gewinne ich mehr, als ich verliere. So kann ich dem Leben doch was Positives abgewinnen. Früher verlor ich mehr Zeit, als ich gewann. Das kam nicht gut heraus. Doch heute, so glaube ich, kann ich leben, ohne dass ich immer Angst haben zu müssen, dass ich wieder einen Zusammenbruch erleiden werde. Dies habe ich meiner Frau zu verdanken, welche mich in all der Zeit, immer und immer wieder unterstützt. Welche mir zeigt, dass ich für sie wichtig bin. Dies einfach so, wie ich bin. Sie ist nicht die verlorene Zeit, sondern endlich das, was ich die gewonnene Zeit nenne.

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